Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (DIIHK) veranstaltete das Business Forum „Synergien zwischen den Mitgliedern und der Stahlindustrie“. An der Veranstaltung nahmen Kammermitglieder sowie Vertreter und Führungskräfte der iranischen Stahlindustrie teil. Geleitet wurde das Forum von Shahin Asghari, Präsident der Kammer, und Alireza Abouei Mehrizi, Mitglied des Präsidiums.
In seiner Eröffnungsrede verwies Shahin Asghari auf die verbesserten Perspektiven der deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen und betonte die Bedeutung, die sich bietenden Chancen für den Ausbau der bilateralen Handelskooperation zu nutzen. Er erläuterte die aktuelle Entwicklung des Handels zwischen Iran und Deutschland sowie die Potenziale der iranischen Stahlindustrie und stellte fest, dass die iranischen Exporte nach Deutschland noch deutlich hinter ihrem tatsächlichen Potenzial zurückbleiben.
„Deutschland ist Irans wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. Zwar ist das bilaterale Handelsvolumen in den vergangenen Jahren zurückgegangen, im Vergleich zu den Beziehungen Irans mit anderen EU-Mitgliedstaaten sind die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen jedoch am stabilsten geblieben. Mit Veranstaltungen wie diesem Forum möchten wir die iranische Industrie auf eine mögliche Phase nach dem Wegfall internationaler Beschränkungen vorbereiten und ihre Position auf dem deutschen Markt stärken“, erklärte Asghari.
Als wesentliche Hemmnisse für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen nannte er insbesondere Einschränkungen im Bankensektor, Schwierigkeiten bei internationalen Finanztransaktionen sowie weitere praktische Handelshemmnisse.
Anschließend hob Alireza Abouei Mehrizi die bestehenden Potenziale für eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen hervor. Ziel der Kammer sei es, den Anteil iranischer Exporte nach Deutschland zu erhöhen und durch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen beider Länder nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Exportentwicklung zu fördern.
Die Vertreter der Stahlindustrie betonten die Bedeutung direkter Geschäftsbeziehungen zwischen iranischen und deutschen Unternehmen, einer professionellen Präsentation der Leistungsfähigkeit der iranischen Stahlindustrie, eines verstärkten internationalen Marketings – insbesondere durch die Teilnahme an deutschen Fachmessen –, der Einhaltung technischer Standards sowie des Abbaus bestehender Exporthindernisse. Darüber hinaus wurden der Ausbau von Netzwerken, der Einsatz moderner Technologien, die Reduzierung von Zwischenhändlern und die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen beider Länder als zentrale Erfolgsfaktoren hervorgehoben.
Deutschland importierte im Jahr 2025 Metalle im Wert von mehr als 121 Milliarden Euro. Nach Angaben von Shahin Asghari setzt sich die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer dafür ein, den Anteil iranischer Unternehmen an diesem Markt deutlich zu erhöhen.
Im weiteren Verlauf stellte Asghari die Dienstleistungen der Kammer zur Unterstützung der Stahlbranche vor. Er verwies auf den kontinuierlichen Austausch der Kammer mit der iranischen Botschaft in Berlin, in dessen Rahmen die Anliegen und Herausforderungen der Mitgliedsunternehmen regelmäßig thematisiert werden. Zudem betonte er die Bedeutung einer aktiven Teilnahme iranischer Unternehmen an deutschen Fachmessen. Die Beteiligung von Kammermitgliedern an der Fachmesse AMB bezeichnete er als ein erfolgreiches Beispiel für die Präsentation iranischer Kompetenzen auf dem deutschen Markt.
Zum Abschluss unterstrich Asghari, dass die Förderung direkter Kontakte zwischen Unternehmen beider Länder weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben der Kammer gehöre. Zu den zentralen Serviceleistungen der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (DIIHK) zählen die Bonitätsprüfung deutscher Unternehmen, die Vermittlung geeigneter Geschäftspartner, die Bereitstellung von Marktinformationen sowie individuelle Beratungsleistungen zur Förderung der bilateralen Wirtschaftskooperation.
Alireza Abouei Mehrizi ergänzte, dass die Mitglieder der Kammer Zugang zu spezialisierten Informationen über den deutschen Markt sowie über deutsche Technologien und Ausrüstungen erhalten. Mit Blick auf die Position Irans als einer der weltweit führenden Stahlproduzenten betonte er die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit innerhalb der Branche, der Reduzierung von Zwischenhändlern sowie einer intensiveren Nutzung der Dienstleistungen der Kammer zur Förderung von Beschäftigung, Exporten und einer effizienteren Lieferkette.
Ein weiterer Schwerpunkt des Forums war das Investitionspotenzial der iranischen Stahlindustrie.Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer (DIIHK) sieht die Vorbereitung des iranischen Marktes auf deutsche Investitionen als eine ihrer zentralen Aufgaben. Mit einer derzeitigen Produktionskapazität von rund 32 Millionen Tonnen und einem Ausbauziel von 55 Millionen Tonnen bietet die iranische Stahlindustrie – auf Grundlage von Schätzungen der IMIDRO (Iranian Mines and Mining Industries Development and Renovation Organization) und unter der Annahme einer Lockerung internationaler Beschränkungen – Investitionsmöglichkeiten von über 30 Milliarden Euro. Diese verteilen sich auf folgende Bereiche:
- Bergbau, Konzentratproduktion, Pelletierung, Direktreduziertes Eisen (DRI) und Handelsfinanzierung: 5–8 Mrd. Euro
- Ausbau der Stahlproduktionskapazitäten auf 55 Mio. Tonnen: 8–12 Mrd. Euro
- Kraftwerke sowie Energieinfrastruktur (Strom und Gas): 3–6 Mrd. Euro
- Wasserversorgung, Recycling und Umweltprojekte: 1–2 Mrd. Euro
- Weiterverarbeitung von Stahl sowie Spezialstähle: 3–5 Mrd. Euro
- Transport, Logistik, Hafen- und Schieneninfrastruktur: 2–4 Mrd. Euro
- Modernisierung von Anlagen, Automatisierung und Technologie: 1–2 Mrd. Euro
Zum Abschluss bekräftigten die Teilnehmer ihren Wunsch, den fachlichen Austausch fortzusetzen, die Zusammenarbeit zwischen der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer und der Stahlindustrie weiter auszubauen sowie die gemeinsamen Potenziale für die Förderung der Exporte und die Vertiefung der deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen bestmöglich zu nutzen.