Kammer-Nachrichten

Deutscher Botschafter Dittmann: DIIHK bewahrt wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Brücken

Deutscher Botschafter Dittmann: DIIHK bewahrt wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Brücken
Axel Dittmann, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Teheran, hat in seiner Eröffnungsrede auf der ordentlichen Jahresversammlung der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer die lange Geschichte der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Iran gewürdigt. Zugleich hob er die besondere Rolle der Kammer bei der Pflege und Stärkung wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Verbindungen zwischen beiden Ländern hervor.

Botschafter Dittmann, der seit knapp sechs Monaten als deutscher Botschafter in Teheran tätig ist, eröffnete seine Ansprache mit dem Ausdruck seiner Freude über die Teilnahme an der Hauptversammlung der Kammer. „Es ist mir eine große Ehre, heute Ihre Versammlung eröffnen zu dürfen – zumal ich bereits zuvor die Gelegenheit hatte, an einer Sitzung des Vorstands der Kammer teilzunehmen“, sagte er.

Grundlage jahrzehntelanger Verbindungen

Zu Beginn seiner Rede verwies der deutsche Botschafter auf die zentrale Bedeutung der Mitglieder der Kammer für die bilateralen Beziehungen. „Wenn ich in diesen Saal blicke, sehe ich nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich sehe das Fundament starker, über Jahrzehnte gewachsener Verbindungen zwischen Deutschland und Iran“, sagte Dittmann.

Er erinnerte daran, dass die deutsche Wirtschaft seit mehr als 160 Jahren im Iran präsent ist. Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer sei seit 50 Jahren – „oder, wie ich heute gelernt habe, seit 51 Jahren“ – der institutionelle Rahmen für diese Beziehungen.

Botschafter Dittmann betonte, dass die Verbindungen zwischen Deutschland und Iran trotz zahlreicher Schwierigkeiten und tiefgreifender Veränderungen in den vergangenen Jahren Bestand hätten. Den Wirtschaftsakteuren beider Länder komme beim Erhalt dieser gesellschaftlichen Verbindungen eine entscheidende Rolle zu.

Dauerhafte Spuren deutsch-iranischer Zusammenarbeit

Im weiteren Verlauf seiner Rede ging der Botschafter auf die lange Geschichte industrieller und infrastruktureller Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Iran ein. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen hätten im Iran „dauerhafte Spuren“ hinterlassen.

So hätten deutsche Ingenieure am Bau des Teheraner Hauptbahnhofs und großer Teile des iranischen Eisenbahnnetzes mitgewirkt. Auch das iranische Autobahnnetz und zahlreiche Brücken seien Ergebnis gemeinsamer deutscher und iranischer Arbeit.

Mit Blick auf den Energiesektor verwies Dittmann darauf, dass Teheran und andere Städte bis heute Strom aus Kraftwerken beziehen, die mit deutscher Technologie errichtet wurden. Er selbst habe gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eines dieser Kraftwerke im Süden Teherans besucht.

Auch in der iranischen Industrie seien deutsche Maschinen weiterhin präsent. „In vielen iranischen Fabriken und Druckereien arbeiten noch immer deutsche Maschinenlinien – manche von ihnen sind inzwischen etwas in die Jahre gekommen, funktionieren aber weiterhin zuverlässig und präzise“, sagte der Botschafter.

Diese Geschichte bezeichnete Botschafter Dittmann als „beeindruckende Erzählung von wirtschaftlichem Pioniergeist, kulturellem Austausch und starken menschlichen Verbindungen“. An die Mitglieder der Kammer gerichtet fügte er hinzu: „Sie, die Mitglieder dieser Kammer, schreiben diese Geschichte mit Ihrer täglichen Arbeit fort.“

Anerkennung für die Arbeit der Kammer in schwierigen Zeiten

In einem weiteren Teil seiner Ansprache dankte der Botschafter dem Vorstand der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer für dessen Engagement. Die Aktivitäten der Kammer seien gerade unter schwierigen Rahmenbedingungen von besonderem Wert für die Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern.

„Ich möchte dem Vorstand der Kammer ausdrücklich danken, der mit zahlreichen Initiativen eine wichtige Rolle in unserer bilateralen Zusammenarbeit in dieser nicht einfachen Zeit gespielt hat“, sagte Dittmann.

Als Beispiele nannte er die Organisation von Unternehmerdelegationen, Messebesuche, die Durchführung deutscher Sprachprüfungen sowie die Funktion der Kammer als erste Anlaufstelle für deutsche Unternehmen im Iran.

Nach den Worten des Botschafters zeigten diese Aktivitäten, dass die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer weit mehr sei als eine formale Institution. Sie leiste vielmehr einen aktiven Beitrag dazu, Gesprächskanäle, Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Wirtschaftsakteuren beider Länder aufrechtzuerhalten.

Bilateraler Handel: aktuelle Herausforderungen und künftige Potenziale

Mit Blick auf den deutsch-iranischen Handel stellte Dittmann fest, dass das vergangene Wirtschaftsjahr in Iran von erheblichen Herausforderungen geprägt gewesen sei. Auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Iran seien davon spürbar betroffen.

„Das Handelsvolumen ist im Jahr 2025 um rund 20 Prozent auf etwa 1,2 Milliarden Euro zurückgegangen und wird im Laufe des Jahres 2026 voraussichtlich weiter sinken“, sagte der Botschafter.

Als Gründe nannte er eine Reihe wirtschaftlicher und internationaler Faktoren. Ein Teil der Entwicklung sei auf internationale Sanktionen in Reaktion auf den außenpolitischen Kurs der Islamischen Republik zurückzuführen, aber auch hausgemachte Probleme der iranischen Wirtschaft.

Dittmann ging zudem auf die Auswirkungen der jüngsten Kriege auf wirtschaftliche und diplomatische Aktivitäten ein. Auch die Deutsche Botschaft habe ihre Arbeit in dieser Zeit zweimal vorübergehend einstellen müssen. Zugleich betonte er: „Ich bin froh, dass wir relativ schnell wieder nach Teheran zurückkehren konnten.“

Unterstützung für Dialog und verhandelte Lösungen

In einem weiteren Abschnitt seiner Rede ging der Botschafter auf bestehende politische Differenzen und Herausforderungen zwischen Iran und westlichen Staaten ein. Dabei unterstrich er, dass die Bundesregierung stets den Weg des Dialogs und verhandelter Lösungen unterstützt habe.

„Die Bundesregierung hat sich immer für eine verhandelte Lösung des laufenden Konflikts eingesetzt. Derzeit besteht die Möglichkeit, den Einstieg in eine Einigung zu finden. Selbst in einem Moment, während wir hier sitzen, finden Gespräche statt – und das ist von großer Bedeutung“, sagte Dittmann.

Er erklärte weiter, dass Deutschland im Rahmen der Europäischen Union bereit sei, im Falle einer umfassenden Verhandlungslösung, insbesondere auch in Bezug auf das iranische Nuklearprogramm, die bestehenden Sanktionen zu überprüfen. Auf diese Möglichkeit habe jüngst auch der Bundeskanzler auf europäischer Ebene hingewiesen.

Perspektive eines Handelsvolumens von zehn Milliarden Euro

Trotz der aktuellen Herausforderungen widmete Dittmann einen wesentlichen Teil seiner Rede den wirtschaftlichen Potenzialen Irans und den Perspektiven künftiger Zusammenarbeit.

Mit Blick auf die Einschätzung der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer, wonach der bilaterale Handel grundsätzlich ein jährliches Volumen von zehn Milliarden Euro erreichen könne, bezeichnete Dittmann diese Zahl als Ausdruck des erheblichen Potenzials der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

Iran könne in zahlreichen Bereichen von deutscher Technologie und deutschen Investitionen profitieren. Als wichtige Felder künftiger Kooperation nannte er erneuerbare Energien, Wasserressourcenmanagement sowie die Modernisierung und den Wiederaufbau industrieller Strukturen.

„Made in Germany“ genießt im Iran weiterhin hohes Ansehen

Dittmann ging in seiner Rede auch auf die Wahrnehmung deutscher Produkte und Technologien im Iran ein. „Ich bin überzeugt, dass ‚Made in Germany‘ im Iran weiterhin eine sehr positive Rolle spielen kann“, sagte er.

Angesichts der breiten Präsenz ausländischer Produkte auf dem iranischen Markt betonte er, dass deutsche Produkte und Technologien nach wie vor für Qualität, Verlässlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit stünden.

Der Botschafter hob zugleich hervor, dass Iran – bei geeigneten Rahmenbedingungen – ein ausgesprochen attraktiver Markt für Deutschland sein könne: ein Land mit reichen natürlichen Ressourcen, einem großen Binnenmarkt, qualifizierten und gut ausgebildeten Arbeitskräften, einem dynamischen Start-up-Ökosystem und einer entwickelten Industrie.

„In der kurzen Zeit, die ich bisher in diesem Land verbringen durfte, hat mich die Qualität, Vielfalt und Resilienz der iranischen Wirtschaft wirklich beeindruckt“, sagte Dittmann.

Iran als attraktiver Markt mit vielfältiger und widerstandsfähiger Wirtschaft

Der Botschafter betonte, dass sich die wirtschaftlichen Potenziale Irans nicht allein auf natürliche Ressourcen beschränkten. Der große Binnenmarkt, qualifizierte Fachkräfte, industrielle Leistungsfähigkeit sowie ein innovations- und gründungsstarkes Umfeld bildeten gemeinsam eine Grundlage für eine breitere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland.

„Iran kann, wenn die entsprechenden Bedingungen gegeben sind, ein sehr attraktiver Markt für Deutschland sein“, sagte Dittmann.

Was er bei seinen Besuchen in verschiedenen Bereichen der iranischen Wirtschaft gesehen habe, vermittle das Bild einer vielfältigen, leistungsfähigen und resilienten Industrie. Unter passenden Rahmenbedingungen könne dieses Potenzial zur weiteren Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern beitragen.

Vertrauen und Rechtssicherheit als Voraussetzung für mehr Zusammenarbeit

Zugleich machte Dittmann deutlich, dass die Ausschöpfung wirtschaftlicher Potenziale geeignete Rahmenbedingungen voraussetze. Dabei gehe es nicht allein um Sanktionen.

Für den Ausbau der Zusammenarbeit seien auch Vertrauen und Rechtssicherheit von großer Bedeutung. Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen müssten sich im Iran sicher fühlen und auf verlässliche rechtliche und justizielle Rahmenbedingungen vertrauen können. In diesem Zusammenhang wandte sich der Botschafter direkt an die Wirtschaftsakteure und Mitglieder der Kammer und forderte diese auf, sich bei den iranischen Behörden hierfür einzusetzen. Gerade in Zeiten, in denen offizielle Kanäle nicht immer einfach seien, könnten Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die Kammer eine wichtige Rolle dabei spielen, Verbindungen und Gesprächskanäle zu erhalten.

Die Kammer als Hüterin wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Brücken

Im Schlussteil seiner Rede würdigte Dittmann die Rolle der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer und ihrer Mitglieder bei der Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen beiden Ländern als besonders wertvoll.

„Gerade weil die offiziellen Kanäle nicht immer einfach sind, spielen Unternehmerinnen und Unternehmer sowie die Kammer eine wichtige Rolle. Sie ersetzen nicht die Diplomatie, aber sie bewahren gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Brücken“, sagte der Botschafter.

Er fügte hinzu, dass die Deutsche Botschaft es weiterhin als ihre Aufgabe betrachte, die Kammer und ihre Mitglieder auf diesem Weg zu unterstützen.

Zum Abschluss wünschte Dittmann der Jahresversammlung der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer viel Erfolg. An den Vorstand und die Mitglieder gerichtet sagte er: „Auf eine starke Kammer – und hoffentlich bald auf noch bessere Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.“